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"A bissl sun, a bissl regn" 
Konzert mit jiddischen Liedern mit Sara Bloom
11.03.1998, 20.00 Uhr
Idar-Oberstein, Göttenbach-Aula

Nahe-Zeitung, 14.03.1998
Zwischen Heiterkeit und Trauer
Trio machte zum Auftakt der Woche der Geschwisterlichkeit die Vielfalt jüdischen Lebens lebendig

IDAR-OBERSTEIN. Zur Eröffnung der Woche der Geschwisterlichkeit hatten die Stadt, der Schalom-Verein und "Die Schnecke" ein hervorragendes Trio aus Heidelberg eingeladen: Sara Bloom (Gesang), Johannes Vogt (Gitarre) und Heribert Eckert (Klarinette) gestalteten einen Abend mit "Jiddischen Liedern", aus jener Kultur, die sich im osteuropäischen Judentum gebildet hat und die, wenn sie nicht so liebevoll gepflegt würde, in Vergessenheit geriete.
"Ein Zeichen der Hoffnung und der Inspiration" nannte denn auch Pfarrer Dr. Arnold Pfeiffer das Bemühen, sich nach Jahren des Vergessen-Wollens einander "in Freundschaft und Sorge" zu begegnen. Wer nur einen Konzertabend erwartet hatte, wurde überrascht. Sara Bloom, die aus New York stammende und seit zehn Jahren jiddische Lieder singende Interpretin, stellte die ganze Vielfalt des jüdischen Gemeinschaftslebens dar: Freud und Leid, halt "A bissl sun, a bissl regn" der Armen und Reichen, der einfachen, tiefgläubigen Menschen, Lieder zwischen Melancholie und fröhlicher Ausgelassenheit.
Sie singt einzigartig: Ihre Sopranstimme ist von zerbrechlicher Klarheit, eine Leichtigkeit, wie Vogelgezwitscher, alle Nuancen des Ausdrucks bergend. Aber was wäre dieser feinfühlige Gesang gewesen ohne die Assistenz der beiden meisterhaften Instrumentalisten?
Johannes Vogt konnte mit seiner klangvollen Gitarre aber auch gerade alle Zauberkünste zeigen. Klassische Begleitfiguren wechselten mit rasanten rhythmischen Akkordpassagen. Mal klang die Gitarre wie der Lautenzug eines Cembalo, mal wie die erregende Akkordik der Zigeuner, dann wieder bildete sie eine Brücke zwischen Sologesang und meditativen Pausen, nahm schließlich sogar Züge des Jazz an.
Nicht minder adäquat spielte sich Heribert Eckert mit seiner Klarinette in die ergreifenden Stimmungsbilder, ihnen erst den Rahmen und die Farbe gebend. Mit feinsten Umspielungen, heterophon, gab er Sara Blooms Gesang Grundierung und begleitete ihn dialogisierend, wußte bei aller scheinbaren Heiterkeit die spürbare Trauer dieser verfolgten Gemeinschaft in gehauchten Tönen auszudrücken. Daß auch Lieder aus den Ghettos einflossen, machte bewußt, welche Kraft im jiddischen Lied steckt, und daß die Musik die Vielfalt jüdischen Lebens von Geburt bis zum Tode darzustellen weiß. (ej)