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Lesung mit Lars Brandt

Lesung mit Lars Brandt
Mittwoch, 24.02.10, 20 Uhr,
Atrium des Heinzenwies-Gymnasiums, Idar-Oberstein


Nahe Zeitung vom Freitag, 26. Februar 2010
Brandt: Will nichts erklären oder aufklären

Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers stellt im Buch "Andenken" sein Verhältnis zum Vater dar

IDAR-OBERSTEIN. "Immer schon habe ich mit dem Gedanken gespielt, ein Buch über das Verhältnis zwischen mir und meinem Vater zu schreiben", erklärte Lars Brandt vor rund 60 Zuhörern in der Aula des Heinzenwies-Gymnasiums. Der Autor, Filmer und Zeichner, der auf Einladung des Kulturforums "Die Schnecke" zu einer Lesung nach Idar-Oberstein gekommen war, ist der mittlere der drei Söhne von Willy Brandt, dem ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin, der als Außenminister und bis 1974 als Bundeskanzler die bundesdeutsche Politik bestimmte und 1992 starb.

"Dieses Buch war erst möglich, als neben dem Inhalt auch die Form fest stand, die die Gebrochenheit meines Verhältnisses zu meinem Vater sowie dessen eigene Widersprüchlichkeit adäquat ausdrücken konnte", erläuterte Lars Brandt im Laufe der Lesung. Im Jahr 2005 war es soweit. "Ich habe erst mal nur für mich geschrieben. Es war ein Versuch. Ich legte das Manuskript meiner Frau vor. Die ermutigte mich." 2006 erschien der Text unter dem Titel "Andenken" im Carl Hanser Verlag.

"Ich will nichts erklären oder aufklären", heißt es in den Anfangskapiteln, "weder Mythen polieren, noch ihnen ein paar Beulen verpassen". Das Buch ist eine Reihung von Episoden, die "wie Mosaiksteine" das Bild des Vaters, des "Machtmenschen, der aber ein warmes Herz besaß", aus der "simultaneistischen" Sicht des Sohnes zusammensetzen.

Ferienfahrten nach Norwegen, gemeinsames Angeln, das Auftauchen des "Biedermanns" Guillaume, Zigarren von Fidel Castro, Fischsuppenessen mit Herbert Wehner, der Briefbogen mit dem handschriftlichen Rücktrittsgesuch - das sind einige der "Episoden", in denen Lars Brandt - wie er schreibt - als "Medium" zu jenem "Teil der Wirklichkeit" vorstößt, "von dem nur ich erzählen kann".

"Ich brauchte fast keine Recherche, keine Tagebücher", erläuterte Brandt in der Fragestunde, die von Axel Redmer geleitet wurde und auf die Lesung folgte. Die Unterlagen seiner Zusammenarbeit mit dem Vater - Bücher, Reden, Aufsätze - und einige wenige "Andenken" - eine russische Lackdose, Automatenpassbilder, ein Polaroidfoto von Andy Warhol - reichten aus, um auch "atmosphärisch" in die Vergangenheit einzutauchen.

Dennoch steht Brandt nicht im Schatten seines großen Vaters. Als Dokumentarfilmer, als Romanautor ("Gold und Silber", 2008) sowie mit einem für das Frühjahr geplanten dritten Roman hat er seit Jahren seine Eigenständigkeit gezeigt: "Ein anderes Leben habe ich mir gezimmert, mit anderen Möbeln drin", bekräftigt er in "Andenken". (ed)