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Friedensforum mit Jürgen Schöntges, Billy, u.a.
19.06.1982
Idar-Oberstein, Göttenbach-Gymnasium

Nahe-Zeitung, 26. Juni 1982
„Natürlich handeln im Wissen der Philosophen“
Friedensforum der „Schnecke“. Besucher wurden aktiv

Ernst war das Thema, entspannt und gelöst wirkten die meisten der 50 bis 60 Besucher, die nach Filmvorführung und Diskussion am Nachmittag sich entschlossen hatten, das Friedensforum der „Schnecke“ in seinem abendlichen Teil für attraktiv und interessant zu halten.Zuerst sang und plauderte Jürgen Schöntges, Liedermacher aus Mainz, führte verschiedene Instrumente vor, auch phantasievoll selber konstruierte; blieb länger als er wollte, sang zum Schluss bei perfekter Löffel- und weniger perfekter Saalbegleitung: „Es ist ein harter Schluss, weil ich aus Idar-Oberstein muss“ und bewog mit seinem Auftreten einen Zuhörer, folgendes auf die im Vorraum aufgestellte „Motztafel“ zu schreiben: „Jürgen hatte weniger Zuhörer als er verdiente, Nicole hat mehr als sie verdient. Wo ist die Mitte?“ Bei ihrem ersten „großen“ Auftritt waren den Schülerinnen der Realschule Idar-Oberstein Tanja Wagner, Christine Helbach, beide zwölf Jahre alt, und Sabine Krieger, 16 Jahre alt, über 50 Zuhörer sicher genug. Alle drei lasen, betreut von Anne Sinclair, Texte aus eigener Produktion; und – eben noch Konsumenten – setzten sich nach der Pause, als man etwas enger zusammengerückt war, eine ganze Reihe von Zuhörern selber unter die Leselampe und vors Mikrofon und trugen vor. Peter Geisler – in Erscheinung, Auftreten und Stimme die personifizierte Lyrik – gab die Losung aus: „Keine Gegengewalt gegen Gewalt, sondern auf eine Weise natürlich handeln im Wissen der alten Philosophen, dass selbst das weiche Wasser den härtesten Stein besiegt. Durch aktive Geduld. Frieden ist ein Wort. Es lebt nicht ohne uns.“ Vergessen wir Billy nicht: Sie sang zwischen den Lesungen vor allem Lieder von Bettina Wegener, überraschte mit einer schönen Stimme bekam viel Beifall und meinte kurz nach Elf: „Ich glaub’, ich hör jetzt auf, ihr scheint mir müde geworden“. Darauf Leni Gombert: „Also ich für meinen Teil möchte noch ein Lied hören; und darf man vielleicht mal erfahren, wer das Fräulein Billy überhaupt ist?“. Billy „Also ich heiße eigentlich Sybille, Sybille Müller, komme aus St. Wendel und lebe jetzt in Saarbrücken.“ Auf die Enttarnung folgte das letzte Lied, und eine halbe Stunde später sprach Axel Redmer das Schlusswort.
Was er nicht sagte, weil es um diese Zeit zu festrednerhaft geklungen hätte, was er aber hätte sagen können: Das Friedensforum der „Schnecke“ vermittelte in seinem abendlichen Teil eine Ahnung davon, was das heißen könnte und wie das bewerkstelligt werden könnte: Demokratisierung der Literatur, Literarisierung unseres öffentlichen Lebens.