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"Panik im Paradies"
Kabarettabend mit Uschi Flacke
03.10.1988, 20.00 Uhr
Idar-Oberstein, Göttenbach-Aula


Nahe-Zeitung, 05.10.1988
"Trauer tröpfelt trockene Tränen"
Ein düsteres, Bild der Gegenwart gezeichnet
Uschi Flacke: "Das Paradies ist in der Krise"

Das Paradies ist in der Krise und in der Erkenntnis steckt der Wurm. Uschi Flacke, "der totalen Schöpfung gerade noch durch die Rippchen geschlüpft", zeichnet mit ihrem kabarettistischen Programm "Panik im Paradies" ein düsteres Bild der Gegenwart die mündet in eine furchterregende Vision einer ungewissen Zukunft. "Ist das Paradies noch zu retten? Die Chancen stehen fivty-fivty!"
Einen echten Glücksgriff hatte der Kulturverein Die Schnecke" mit seinem ersten Beitrag zu den Idar-Obersteiner Kulturtagen getan. Schade nur, daß viele sich diesen kabarettistischen Leckerbissen entgehen ließen. Die Göttenbach-Aula war nicht ganz ausverkauft.
Uschi Flacke betreibt Gegenwartsbewältigung. Sie will mit ihrer eigenen Angst umgehen können und schreit ihre Wut und Hilflosigkeit aus sich heraus, macht sich selbst zu m Spiegel eines Zeitgeistes, der ihr gewaltig auf die Nerven geht- Sie sieht die marode, zerbrechende -Gesellschaft, die Flucht der Menschen ins Geld, den Luxus, in religiösen Wahn oder Sekten. Auch die mittlerweile reichlich bürgerlich gewordenen Alternativen bekommen dabei ihr Fett weg.
Scheinbar ohne, Hoffnung, doch voll unbändiger Energie klagt sie an, verurteilt und versteht doch, warum die Menschen so geworden sind. Der Kontrast zwischen ihrer eigenen starken Persönlichkeit, auf der einen, und der Hoffnungslosigeit gegenüber der Erkenntnis einer vorn Zerfall bedrohten Welt auf der anderen Seite machen das Absurde dieser Tage deutlich. Panik und Angst lähmen die Menschen, tatenlos versenken sie sich ihre Selbstsucht. "Wir sitzen auf dem Pulverfaß und machen es uns bequem!"
Sie sieht die Kinder von Quark und Cola und entdeckt in ihren "Asphalt-Gesichtern" Entfremdung und Armut. "Das Design bestimmt das Bewußtsein", so reduzieren sich
Menschen auf pure Äußerlichkeiten. Das Oberflächliche triumphiert. Die lächerliche
Gleichgültigkeit (,Atom-Strahlung? Da riech` ich nix, da spür' ich nix, da führ ich nix!") gehen ihr nicht in den Kopf. Doch wie hätten die Kinder dieser Zeit anders werden können? Eine marode Gesellschaft läßt kaum einen zu sich selbst finden: "Ein Mensch hat sich nicht mehr erkannt, ist an sich selbst ergraut"
Leise und nachdenklich sind viele von Uschi Flackes Chansons. Das Lied von Esther Jonas, einer jungen Frau, als Hexe verbrannt nur weil sie zu träumen wagte, schildert die Verzweiflung der Kabarettistin über die eigenen zerbrochenen Träume von einer besseren Welt. Uschi Flacke hat Angst, ihre Hoffnung steht auf tönernen Füßen, ihre Grundstimmung ist dementsprechend düster. "Trauer tröpfelt trockene Tränen".
Hans Georg Egenolf